1987–1988: Bau der neuen Haupttribüne

40 Jahre hatte die 1939 erbaute Haupttribüne im Jahre 1979 mittlerweile auf dem Buckel und ihr Zustand war nicht der Beste. Wegen Feuchtigkeit bröckelte Putz und Farbe von den Wänden, Kabinen und Duschräume mieften entsprechend und der Holzaufbau war morsch. So legte man der Stadt Anfang des Jahres erstmals Pläne eines komplett überdachten, 1.200 Sitzplätze fassenden Tribünenneubaus vor, der zwei Millionen Mark kosten sollte. Richtig Bewegung in die Sache kam jedoch erst, als kein Weg mehr an einer Entscheidung vorbeiführte. 

So stellte man sich die neue Tribüne noch im Oktober 1979 vor. Die Pläne landeten in der Schublade.

Die Katastrophe im englischen Bradford, als 56 Zuschauer im Mai 1985 durch einen Tribünenbrand ihr Leben verloren, sorgte europaweit für ein wachsameres Auge bezüglich des Brandschutzes. Nach einer kritischen Untersuchung der Wormatia-Tribüne fiel diese auch prompt durch. Durchgangsbreite der Sitzreihen zu eng, Fluchtwege ungenügend und die leichte Holzbauweise war sowieso gefährlich... Mehr als die Hälfte der Sitzplätze musste aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Sanierung oder Neubau? Auf politischer Ebene wurde viel diskutiert, vor einem kostspieligen Neubau zierte man sich seitens der Stadt zunächst noch. Ministerialdirigent Karl Schmidt warb seitens des Landes bei einer Begehung nachdrücklich für die Neubaulösung und stellte hierfür Zuschüsse in Aussicht.

Ein neuer Entwurf vom September 1985...
...oder vielleicht mit anderem Dach? (Entwurf Oktober 1985)
Februar 1986: Man beachte verworfene Details wie das kleine Vordach auf der Rückseite und die verklinkerten Aufgänge.
Oder doch Sanierung mit Nutzung des alten Unterbaus? (September 1986)
In zwei Phasen wären neue Ränge samt Dach gebaut und ansonsten nur die Innenräume saniert worden...
...diese Tribünenvariante hätte 819 Sitz- und 864 Stehplätze gehabt (September 1986).
So wurde schließlich gebaut, Skizze des Architekturbüros Horst Englert (Februar 1987)

Letztlich führte aus wirtschaftlichen Gründen kein Weg an einem Neubau vorbei. Er sollte im Mai 1987 beginnen und Ende 1987 beendet sein. Wegen diverser Verzögerungen, unter anderem durch ein heftig kritisiertes Gutachten zur Erdbebensicherheit, dauerte der Bau jedoch bis Mitte 1988 und am Ende standen Kosten in Höhe von 2,74 Mio. Mark (entspricht heute ca 2,3 Mio. Euro). Während der Zeit des Umbaus sorgte eine von der US-Army kostenlos ausgeliehene „Nottribüne“ wenigstens für ein klein wenig Sitzkomfort. 

Die Tribüne Ende November 1986...
...ein Großteil der Sitzplätze ist gesperrt.
Rückseite kurz vor dem Abriss.
(Quelle: StAWo, Nr. M17613)
Der Abriss ist voll im Gang.
(Quelle: StAWo, Nr. F6108_52)
Der Neubau beginnt.
(Quelle: StAWo, Nr. F6161_70)
Kurz vor der Dachmontage.
(Quelle: StAWo, Nr. F6191_48)
Auf der Laufbahn ist die Behelfstribüne der US-Army zu erkennen. (Quelle: StAWo, Nr. M17952)

Am 9. Juli 1988 erfolgte schließlich die offizielle Einweihung im Beisein diverser Gäste aus Politik, Verwaltung, Militär und Sport. 976 grüne Sitzschalen und 600 Stehplätze fasste die neue Tribüne, deren einziger Luxus die Überdachung war und ist. Neun Halbrundbögen aus dem Spezialkunststoff Makrolan, entwickelt von der Wormser Firma Röhm, der auch für das Dach des Münchner Olympia-Stadions verwendet wurde, erinnerten an das Dach des Haberland-Stadions in Leverkusen. Obwohl die Tribüne kleiner wirkt als die alte, hatte sie mit 45,40m x 13,20m fast auf den Zentimeter genau die gleichen Abmessungen. 

Offizielle Tribüneneinweihung am 9. Juli 1988
Vorsitzender Helmut Rödler, OB Gernot Fischer, Architekt Englert bei der Schlüsselübergabe
Sonderausgabe zur Einweihung (PDF)

Archivar

Christian Bub
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