06.12.2017 12:00 Kategorie: Aktuell, Startseite, Jugend
Von: Redaktion

„Wir brauchen uns nicht zu verstecken!“


Sascha Löcher berichtet im zweiten Teil eines ausführlichen Interviews über seine Tätigkeit als Sportlicher Leiter im Aufbaubereich unserer Junioren und den Stellenwert der Wormatia-Jugendabteilung.

Nachdem am Montag im ersten Teil des Interviews mit Sascha Löcher vieles über seine Trainertätigkeit zu lesen war, folgen nun Einblicke in seine Aufgaben, die das Amt des Sportlichen Leiters im Aufbaubereich unseres Nachwuchses mit sich bringt.


Du bist neben Deiner Tätigkeit als Trainer der U15 auch Sportlicher Leiter im Aufbaubereich. Was sind hier die Kernaufgaben?

Dieser Altersbereich ist eigentlich aufgesplittet. Ich kümmere mich intensiv um die U14 und U15, bei der U12 und U13 macht Niko Toulatos noch viel und ich bin als Ansprechpartner da, wenn es um grundsätzliche Festlegungen geht. In der U12 und der U13 wollen wir allen Spielern Einsatzzeiten geben und die gemeinschaftliche Förderung steht im Vordergrund. Erst in der U13, da spielen wir Verbandsliga, gehen wir ganz langsam und sehr behutsam zum Leistungsdenken über, aber auch hier geht es noch um eine breite Förderung. Ab der U14 ändert sich das. Gerade durch den Aufstieg der U15 in die Regionalliga müssen wir hier die einzelnen Spieler optimal fördern, denn es ist nicht im Interesse des Vereins, jedes Jahr so viele neue Spieler für die U15 zu holen – also müssen wir in der U14 fürs kommende Jahr Regionalligaspieler ausbilden. Daher wollen wir, dass die U14 so gut arbeitet, dass der U15-Bereich davon profitiert. Dazu müssen wir mehr an dieses Leistungsdenken gehen und daher die ganz langsame Hinführung ab der U13. Auch der Wechsel vom 9er- auf das Großfeld ist für die U14-Spieler eine Herausforderung – die entsprechende Raumaufteilung ist ein Thema, das die Jungs erst mal verinnerlichen müssen. Hinzu kommt, dass sie sich in der Landesliga häufig mit den älteren Jahrgängen messen. Das ist schon ein ganz wichtiger Entwicklungsschritt und für die Trainer eine Herausforderung, denn sie müssen die Jungs entsprechend fördern. Dazu wollen wir die Strukturen auch etwas verändern. Wir, also die drei Sportlichen Leiter und Horst Schneider sowie Andreas Hahn, haben in den letzten Monaten gut zusammengearbeitet und ein neues Jugendkonzept erstellt. Das haben wir dann auch bei der Jugendtrainersitzung vorgestellt. Wir wollen hier einiges machen, aber wir wollen es nicht mit dem Dampfhammer durchkloppen, sondern wir wollen die Trainer davon überzeugen. So etwas gelingt nur, wenn alle Trainer dahinter stehen – und das geht nur, wenn jeder weiß, um was es geht.


Du hattest es schon angerissen. Wie ist die Zusammenarbeit mit den Trainerteams?

Für die U12 und die U13 bin ich als Ansprechpartner da. Natürlich schaue ich mir auch manche Spiele an und bekomme einiges beim Training mit, aber da ich auch die U15 trainiere, fehlt mir die Zeit, um da ganz tief rein zu gehen. Mit dem Trainerteam der U14 ist die Zusammenarbeit intensiv, da tauschen wir uns regelmäßig aus und entweder ich oder jemand von meinem Trainerteam versucht, sich die Spiele anzuschauen – auch weil wir den Jungs zeigen wollen, dass der Weg nach oben offen ist. Wenn unten ein Spieler herausragende Leistungen bringt, dann ist es durchaus angedacht, ihn mal mit hoch zu nehmen. Das Ziel sollte für jeden sein, so schnell wie möglich in die höhere Mannschaft zu kommen. Wir machen auch unser wöchentliches Athletiktraining zusammen, das war mir sehr wichtig. Die Entwicklung ist in diesem Alter rasend schnell und da ist es wichtig, dass wir im Athletikbereich nicht nächstes Jahr wieder von vorne anfangen müssen.

Als Sportlicher Leiter will ich nicht zuviel vorgeben. Wir sind weit davon entfernt, ein bestimmtes System vorzugeben oder die Inhalte jedes Trainings zu bestimmen. Mir ist es wichtig, dass wir einen internen Austausch haben. Ich bin ja selbst Trainer und weiß, dass jeder Trainer seine Entscheidungen selbst treffen muss. Wir unterhalten uns, wir tauschen uns aus, aber ich will nicht den Oberlehrer spielen und das brauchen wir hier auch nicht. Wenn ich etwas sehen würde, bei dem ich ganz anderer Meinung bin, dann würde ich es ansprechen, aber das ist nicht so. Wenn jemand fragt, dann helfe ich sehr gern. Ich frage selbst ganz gerne mal nach. Ich habe auch schon mit Max Mehring (Co-Trainer der 1. Mannschaft, Red.) telefoniert und ein paar Dinge zum Thema Fünferkette gefragt. Im letzten Jahr habe ich bei der Ersten hospitiert und das werde ich auch noch mal etwas länger machen, um da den Horizont zu erweitern. Andere Trainer wollen dies bei meinem Training der U15.


Neben Dir gibt es mit Niko Toulatos für den Grundlagenbereich und Max Beck für den Leistungsbereich insgesamt drei Sportliche Leiter im Juniorenbereich. Wie läuft die Zusammenarbeit mit den beiden?

Mit Max und Niko ist das vor allem ein Gedanken- und Ideenaustausch. Im April und Mai haben wir zur neuen Runde sehr viel darüber gesprochen, wie wir das machen wollen. Dann trafen wir uns wieder, um den Saisonstart Revue passieren zu lassen. Ansonsten gibt es einen ständigen Austausch zu aktuellen Themen und Situationen. Es klappt wirklich sehr gut. Max Beck, der für den Leistungsbereich verantwortlich ist, kenne ich schon sehr lange und im letzten Jahr, als ich die U17 trainierte, war er als Sportlicher Leiter mein Chef und in dieser Zeit haben wir intensiv darüber gesprochen, wo wir fußballerisch hin wollen. Wir sind da auf einer Wellenlänge. Bei Niko Toulatos – auch bei Andreas Hahn und Horst Schneider – ist das auch so und wir sind uns da sehr einig. Wir tauschen uns aus, wie wir die Ziele erreichen wollen und wie wir gewisse Reaktionen von Trainern empfinden, die wir auf etwas aufmerksam machten. Wir wollen da auch Horst und Andreas entlasten und als Sportliche Leiter die erste Anlaufadresse sein. Die Trainer müssen verinnerlichen, dass sie einen Sportlichen Leiter haben, der der erste Ansprechpartner ist. Jahrelang waren Andreas und Horst die Ansprechpartner und teilweise verfallen wir da noch in alte Muster. Dann werden Dinge an die beiden herangetragen, mit denen wir uns beschäftigen sollten und das wird dann für die beiden einfach zuviel. Das ist aber ein Entwicklungsprozess.


Kannst Du uns zum neuen Jugendkonzept etwas sagen?

Zunächst hat jeder von seinem Bereich etwas zusammengestellt. Wir wollen besonders bei der U12 und der U13 die Grundtechniken trainieren und im gruppentaktischen Bereich den Fokus bei der U14 und der U15 legen. Uns ist es zudem wichtig, dass wir unsere Spieler in der Persönlichkeitsentwicklung fördern, gerade auch im U14- und U15-Bereich. Das ist dann beispielsweise der Balldienst: Die Jungs sind dafür verantwortlich, dass Luft auf den Bällen ist. Oder das Aufwärmprogramm: Man zeigt es ein paar mal und dann machen sie das allein. Es ist nicht so, dass die Trainer zu faul sind, so etwas zu machen, sondern es geht um die Eigenverantwortung. Das haben wir in der U15 verstärkt eingebaut und das funktioniert auch gut und bringt die Jungs weiter. Sie müssen Entscheidungen treffen – man kann im Spiel nicht alles reinrufen – und auch dazu müssen sie gefördert werden. Dabei müssen sie aber das Gefühl haben, dass sie mal eine falsche Entscheidung treffen dürfen. Wenn man später zeigt, was falsch war und was die bessere Entscheidung in diesem Moment gewesen wäre, dann lernen die Jungs aus den Fehlern ... und beim nächsten Mal müssen sie wieder eine Entscheidung treffen. Das sind solche Dinge neben dem Fußballerischen, die aber auch genauso wichtig sind.

Wichtig ist auch, dass wir ab der U14 im Leistungsbereich angekommen sind. Wir wollen künftig ab diesem Alter eine ganz gravierende Veränderung, die sich bis zur U19 auswirkt: In der D-Jugend, also bis zur U13, soll jeder in der Mannschaft seines Jahrgangs spielen, ab der U14 gibt es keine Jahrgangstrennung mehr nach oben. Nach oben bedeutet, dass ein herausragender Spieler aus dem jüngeren Jahrgang dann direkt in die U15 kommt, aber kein Spieler aus dem U15-Jahrgang, auch wenn er es nicht schafft, nach unten geschickt wird, denn dadurch blockieren wir uns selbst. Entsprechend muss vor der Saison entschieden werden und wenn es nicht reicht, müssen die Jungs den Verein leider verlassen. Bisher war immer mal der ein oder andere aus einem anderen Jahrgang dabei und dieses Jahr ist noch eine Übergangssaison, danach wollen wir das dann aber so durchziehen.


Du hast bis vor einem Jahr die Wormatia zwar aus der Nähe, aber von außen betrachtet. Wie schätzt Du den Stellenwert der Wormatia ein?

Wir wollen und können da ein gewisses Selbstvertrauen an den Tag legen. Mir fällt das leichter, da ich von außen komme und den Blick ganz anders darauf habe. Wenn man hier immer dabei ist, weiß man nicht, welchen Stellenwert dieser Verein hat – auch in der Jugendarbeit. Mit dem Jugendkonzept wollen wir auch verdeutlichen, dass Wormatia etwas zählt und es gilt, das nach außen zu tragen – nicht arrogant, aber selbstbewusst. Wir müssen uns nicht verstecken und das kann man auch ruhig mal deutlich machen.

Wir wollen die Meinung vertreten, dass, wenn man hier weggeht, es nur zwei Steigerungen im Südwesten gibt: Mainz 05 und Kaiserslautern. Früher haben andere Vereine höher gespielt als die Wormatia, das ist heute anders. Nur mit der B-Jugend spielen wir noch Verbandsliga, da ist das Ziel wieder der Aufstieg. Meiner Meinung nach müssen wir mit Macht mit der U15 in der Regionalliga bleiben und uns dort etablieren, denn dann stellt sich das von unten auch positiver auf. Wir haben die U15 als Zugpferd für alle unteren Jahrgänge, wodurch wir schon im D-Jugendbereich einen ganz anderen Zulauf bekommen – ohne aktiv abwerben zu müssen, denn das hat auch immer so einen Beigeschmack bei den Leuten im Umkreis. Die Frage ist aber auch, wie viele Vereine aus dem Umkreis uns noch mit Spielern, die die nötige Qualität haben, versorgen können. Wir haben in der U15 in diesem Jahr nur einen neuen Spieler aus Worms, genauer gesagt aus Horchheim, dazubekommen, die anderen Neuen sind aus Frankenthal, Schifferstadt, Ludwigshafen und einige aus Hessen – also alles etwas weiter entfernt.


Seit Oktober 2016 ist Sascha Löcher als Trainer im Jugendbereich der Wormatia aktiv. Mit Beginn der Saison 2017/2018 übernahm er das Regionalligateam der U15 und zudem das Amt als Sportlicher Leiter des Aufbaubereichs der Junioren.

Für die neuste Ausgabe der „Wormser Buwe“, dem offiziellen Saison-Magazin des Wormatia-Nachwuchses, haben wir ein Interview mit ihm geführt und im Heft in einer gekürzten Fassung veröffentlicht.



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