Ludwig Müller

Spieler von 1923 bis 1934
fast 20 Jahre lang Trainer

geboren am 09.10.1900
verstorben am 07.06.1971

Ludwig Müller, Sproß einer großen Wormser Fußball-Familie, war aufgrund seiner Vielseitigkeit einer der begabtesten Wormser Fußballspieler in den 20er und 30er Jahren. Fritz Fries, der lange Zeit mit Müller in einer Mannschaft spielte, wird im Jahre 1979 mit den Worten "er war für mich der beste Fußballer, den die Wormatia je hatte" zitiert. Der großgewachsene und breitschultrige Wormser war ein glänzender Techniker, beidfüßig schießend ein gefährlicher Torschütze. Ein verhinderter Nationalspieler, der so viele Vorzüge auf sich vereinte und dessen Pech es vielleicht war, in Worms geboren zu sein und nicht in München oder Nürnberg. Alle die ihn noch spielen sahen, bewunderten ihn für seine präzisen Torschüsse und platzierten und wuchtigen Kopfballtore. Legendär ist jedoch seine Sicherheit vom Elfmeterpunkt. Selbst durch Gewaltandrohung (ein neben dem Tor stehender Zuschauer wies ihn einst bei einem Auswärtsspiel drohend auf den mitgeführten Trommelrevolver hin) ließ er sich nicht aus der Ruhe bringen: Der Legende nach habe er keinen einzigen Strafstoß verschossen. Als Halblinker bildete er gemeinsam mit Mittelstürmer Ludwig Philipp und Nationalspieler Willi Winkler auf halbrechts den glanzvollen, in ganz Süddeutschland gefürchteten Sturm und erzielte einst in einer Saison stolze 48 Tore.

Trotz der Konkurrenz vieler bekannter Nationalspieler aus den Fußballhochburgen Nürnberg und Fürth setzte sich Müller gemeinsam mit Winkler auch in der Süddeutschen Auswahlmannschaft mit Erfolg durch: Beim 5:3-Sieg Süddeutschlands gegen die West-Auswahl schossen beide je zwei Tore. Mehr als einmal bekamen diese beiden Wormser, von solchen Spielen mit frischem Ruhm bedeckt, bei der Heimkehr einen "Großen Bahnhof". Heute kaum noch vorstellbar, identifizierte sich damals ganz Worms mit seinen großen Fußballsöhnen. Unter den Klängen der Kapelle Leucht ging es dann im Triumpfzug durch die Wormser Innenstadt ins Vereinslokal "Zum Rheintal".

Von der Fußballbühne abgetreten, stellte sich Ludwig Müller auch danach noch in den Dienst seiner Wormatia. Nachdem er bereits in den Jahren 1924-1926 den Trainerposten übernahm, führte er Wormatia zwischen 1934 und 1939 zu drei Gaumeisterschaften und den ersten drei Teilnahmen an der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Er übernahm auch direkt nach dem Krieg wieder den Trainerposten bis 1948, führte die Elf erneut in die Endrunde und wiederholte dieses Kunststück auch noch ein fünftes und für den Verein letztes Mal bei seinem vierten Engagement in den Jahren 1954-1957. Und wenn er in der Nachkriegszeit nicht gerade am Spielfeldrand die Kommandos gab, so stand er im Vertragsliga-Ausschuss mit Rat und Erfahrung zur Verfügung oder stellte er sich als Betreuer und Masseur in den Dienst des VfR. Er blieb bis zu seinem Tod ein echter Vollblut-Wormate.

Archivar

Christian Bub
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