1. 1908-1922

1.1 Sportclub Wormatia 08

1.1.1 Gründung

„Der ergebendst unterzeichnende erlaubt sich hiermit anzuzeigen, daß sich unter dem Namen „Wormatia“ ein Sport-Klub gebildet hat, der seine Spiele auf dem von Freiherr von Heyl genehmigten Platz hinterm Schildweg abhält. Anbei die Statuten und bitte ich im Namen des Vorstandes um Genehmigung derselben und alsbaldige Nachricht.“

Mit diesen Worten unterrichtete der 1. Vorsitzende Franz Graf das Großherzogliche Hessische Kreisamt von der Gründung eines neuen Sportvereins. Kurz zuvor am 23. Mai 1908 hatte sich hierzu im Nebenzimmer von Jakob Gernsheimers „Hopfenblüte“ in der Speyrer Straße eine Reihe junger Männer zusammengefunden. Dies waren Karl Biegi, Jean Brosch, Daniel Götz, Franz Graf, Fritz Herbold, Josef Menger, Wilhelm Kratz, Heinrich und Johann Ruppert, Georg und Leonhard Stein, Adam Scharrer, sowie Emil und Wilhelm Schmidt. „Aus Liebe zum Fußballsport, zur Pflege der Freundschaft und Geselligkeit“ gründeten sie hier den Sportclub Wormatia 08.

Dem Lederball jagten die sportbegeisterten jungen Männer schon lange vorher nach, und zwar auf der „Aul“, einem Acker im sogenannten „Indianerviertel“ hinter den Hallen der Cornelius Heyl Lederfabrik unweit des Vorstadtbahnhofs am Schildweg (östlich der Bahnlinie in Verlängerung der heutigen Schildstraße). Immer dabei war der unverwüstliche Leonhard Stein, der sich auch am hartnäckigsten für die Gründung der Wormatia einsetzte und später viele Jahre einen Stammplatz in der Abwehr inne hatte. Als Spielplatz für den SC Wormatia 08 wurde die vertraut gewordene Aul beibehalten (im ersten Halbjahr 1909 zog man kurzzeitig auf den Platz am Wäldchen um), auf der sich auch bald die ersten Wettkämpfe abspielten. Zu dieser Zeit steckte der Wormser Fußballsport noch in den Kinderschuhen, während in den Nachbarstädten schon länger reger Betrieb herrschte. Eine ganze Reihe von Sportvereinen gab es trotzdem schon in Worms, so dass der „Neuling“ sich erst einmal behaupten musste. Am 19. Juli 1908 fand der erste „Großkampf“ statt, über den die Wormser Zeitung am 22. Juli berichtete:

„Die erste Mannschaft der Fußballabteilung des vor kurzem hier gegründeten Sportclub Wormatia hatte am Sonntag ein Wettspiel gegen den Fußballclub Germania (evangelischer Jünglingsverein Neuhausen) auszutragen, das mit 3:1 zu Gunsten Neuhausens endete.“

Die Feuerprobe war also bestanden. Am 9. August war die Aul Schauplatz leichtathletischer Wettkämpfe, an denen sich sämtliche Wormser Vereine, an der Spitze Lawn-Tennis-Klub und Alemannia 05, beteiligten. Das anlässlich dieser Veranstaltung stattgefundene Treffen mit Teutonia Worms konnte Wormatia mit 5:2 für sich entscheiden und errang damit den ersten Sieg. Der Süddeutsche Fußballverband zierte sich jedoch noch mit der Aufnahme der Wormaten in den offiziellen Spielbetrieb, auch wenn diese wiederholt darum baten. So spielte man zunächst als sogenannter „wilder Verein“ weiter, bis man sich endlich durch zwei Siege gegen die bereits dem Verband angehörende Revidia Worms (6:2 und 3:2) als tauglich genug bewiesen hatte und am 2. März 1909 aufgenommen wurde. Schon damals zeichneten sich die Wormaten durch Ehrgeiz und verbissenes Kämpfen aus, was den Verein rasch vorankommen ließ. Siege gegen die damals dominierende Ostava Osthofen (7:3) und weitere Achtungserfolge zeugten von den spielerischen Fortschritten der ersten Wormatia-Mannschaft:
Jean Brosch – H. Bauer, Leonhard Stein – Wilhelm Kratz (Spielführer), Daniel Götz, Theodor Reis – M. Koob, Henkel, Deisenroth, Georg Völker, Stiebing.

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Archivar

Christian Bub
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