1928: Eine neue Heimat an der Alzeyer Straße

Der VfR Wormatia wuchs immer mehr und nachdem auch eine Handballabteilung hinzu kam, wurde es langsam eng am Schweißwerk. So suchte der Vorstand eine neue Heimat und fand sie an der Alzeyer Straße, wo eine Konkurs gegangene Radrennbahn händeringend nach einem Käufer suchte. Man wurde sich rasch einig und im Februar 1927 begannen die Arbeiten am Wormatia-Stadion. Die Radrennbahn wurde abgerissen und das Gelände eingeebnet, 50 und mehr Mitglieder arbeiteten hierfür jeden Abend, holten sich angesichts der Massen an Schutt und Erde (ca. 5.000 Kubikmeter) allerdings recht bald Hilfe von örtlichen Unternehmen. Im August war das Spielfeld fertig, die Barrieren aufgestellt und die Arbeiten an den Stehrängen und der Haupttribüne in vollem Gange. Allerdings wurden die Arbeiten aufgrund langwieriger Verhandlungen mit der Stadtverwaltung derart verschleppt, dass sich der Verein zwischenzeitlich ernsthafte Gedanken machte, den Stadionbau einzustellen. Die Festschrift von 1928 merkte kritisch an:

"In unserem Städtchen war eben die sportliche Idee noch nicht durchgedrungen. Man konnte vielerorts nicht einsehen, daß die Schaffung von Sportplätzen Lebensbedürfnis geworden ist, und daß das Jungvolk, das voller Begeisterung den Sportgedanken in sich aufgenommen hat, berechtigten Anspruch auf das Gelände zur körperlichen Betätigung erhebt, das als in jeder Beziehung ideal angesprochen werden kann. Unser Vorstand arbeitete hartnäckig an der Verwirklichung seiner Ziele, was ihm letzten Endes, wenn vorerst auch nur zum Teile, gelingen konnte."

Der letzte Satz deutet auf ein Problem hin, dass sich aufgrund des verschleppten Zeitplans einstellte. Wormatia hatte pünktlich zum 20jährigen Jubiläum die Meisterschaft in der Bezirksliga geholt und sich damit für die Süddeutsche Meisterschaft qualifiziert. Das Stadion war allerdings noch nicht ganz fertig, der Rasen noch nicht richtig angewachsen und der Platz am Schweißwerk für die Süddeutsche viel zu klein. Gezwungenermaßen zog Wormatia also doch schon an die Alzeyer Straße um und musste im Laufe der Saison mit einem ramponierten Spielfeld leben. Ein Umstand, den Generationen von Wormaten bis heute nur zu gut kennen...

Als das Stadion schließlich fertig war, bot es Platz für 18.000 Zuschauer, was nach heutigen Sicherheitsmaßstäben wahrscheinlich für Ohnmachtsanfälle beim DFB sorgen dürfte. Stolz berichtet die Festschrift von 1928:

"Außer einem von einer tadellosen Barriere umschlossenen, 110x70 Meter großen Spielfelde sind rings herum erhöhte Stehtribünen errichtet worden, eine massiv gebaute Tribüne bietet gut 800 Personen vorzügliche Sichtmöglichkeit und beherbergt in ihrem Inneren helle, luftige Umkleidekabinen, Badeeinrichtungen usw. Der Platz selbst ist nach der Alzeyerstraße hin mit einer geschmackvollen Mauer eingefriedigt. Durch ein wuchtig gehaltenes Eingangstor schreitet der Besucher an den sehr zweckmäßig errichteten Kassenhäuschen vorbei, während das Auge beim Betreten der Anlage auf das sich im Vordergrund des Spielfelds reckende Gedächtnismal für unsere Gefallenen fällt, das in seiner schlichten und dennoch wirksamen Gestaltung jeden der Vorübergehenden zu stillem Gedenken an die im Kampfe ums Vaterland gefallenen Vereinskameraden gemahnt. [...]
Von weitem schon grüßt den Spaziergänger bzw. den Besucher unserer Sportanlage das in herrlichem Rot prangende Dach unserer Tribüne, vorzüglich schmiegt sich die Anlage selbst dem Westendviertel der Stadt an und wird vor allen Dingen der Jugend, die doch das Hauptinteresse aller Sportvereine in Anspruch nimmt, einladend den Willkommensgruß entbieten. Möge es dem Verein, der auf seine zum großen Teil aus eigenen Kräften geschaffenen Anlage berechtigt stolz sein darf vergönnt sein, diese Sportstätte für immer sein Eigen zu nennen, auf das sich unsere Jugend daselbst durch Sport und Spiel für den eisernen Kampf des Lebens zu stählen vermag und unserem Vaterlande so beherzte tüchtige Männer, auf deren Schultern es sicher ruhen kann, beschert werden.

Panorama des Stadions im Juni 1931 (Quelle: Stadtarchiv Worms, Fotos 09205_05a bis f)
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Christian Bub
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