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 Stadion   Geschichte 
Von der Aul zur Alzeyer Straße

Willi Penk, aus der Festschrift von 1983

Die Tribüne Mitte der 70er nach der Renovierung

Daniel Götz, heute noch lebender Gründer und Spieler damals zugleich, machte seine ersten Gehversuche auf dem Tafelacker der Lederfirma Heyl und im sogenannten "Schüttlers Loch." Die Firma Heyl stellte dann nach schwierigen Verhandlungen ein Gelände zur Verfügung, das nach äußerem Anschein kaum zum Spielen geeignet war. Das war, legendär noch heute, "die Aul." Es kostete viel Mühe und Schweiß, das unebene Gelände halbwegs bespielbar zu machen. Vielleicht sollte ich bei dieser Gelegenheit auch einfließen lassen, daß es damals noch selbstverständlich war, das Sportfeld durch die Spieler selbst herzurichten, zu markieren, Torstangen zu setzen, das Tornetz anzubringen, soweit ein solches überhaupt vorhanden war, und natürlich die Sportkleidung selbst zu kaufen. Das abenteuerlichste Schuhwerk gab es damals, von den langen, bis ans Knie reichenden Hosen ganz zu schweigen.Die ebenfalls 1908 gegründete "Union" und die vier Jahre später gegründete "Viktoria" spielten auf dem Gelände, das heute von der Turngemeinde genutzt wird.

Der Erste Weltkrieg zerstörte zunächst alle Entwicklungen. Der Wiederbeginn war schwierig. Gewiß, es wurde weiter Fußball gespielt, finanziell aber war man am Ende. Friedel Rauschkolb und Friedel Penk, von der "Union" der eine, von der "Viktoria" der andere führten die beiden Vereine nach leidvollen Schwierigkeiten zum VfR 08 zusammen. Als neuer Spielplatz wurde der Kiesabladeplatz neben dem Schweißwerk gefunden. Auch hier mußten Mitglieder und Spieler Hand anlegen, um das trostlose Gelände zu einem spielfähigen Sportplatz zu machen.

Mit Schwierigkeiten ähnlicher Art hatte auch Wormatia zu kämpfen. Fusionsbestrebungen mit der Turngemeinde und der Alemannia scheiterten, deprimierend war zudem die Mitteilung der Firma Heyl, daß die geliebte "Aul" geräumt werden müsse. Guter Rat war teuer. Friedel Penk erneut und Georg Völker brachten es trotz vieler Gegenströmungen fertig, den VfR 08 und Wormatia zu einem Verein von damals respektvoller Größe zusammenzuführen. Die "Aul" konnte erleichtert aufgegeben werden; es wurde auf dem Platz am Schweißwerk gespielt. Die guten Leistungen der neuen Mannschaft brachten es mitsich, daß im Schnitt 2000 bis 3000 Zuschauer zu den Spielen kamen.

Nicht verwunderlich waren deshalb Überlegungen, dem an Mitgliedern und Spielstärke wachsenden Verein eine neue, eine auch räumlich ausreichende neue Heimat zu suchen. Der Vorstand suchte und fand einen neuen Platz an der Alzeyer Straße. Er verhandelte mit den Besitzern der Radrennbahn, deren Konkurs die Verhandlungen natürlich beschleunigte.

Jedenfalls war Wormatia Besitzer einer Radrennbahn geworden, mit der sie allerdings nichts im Sinn hatte. Die Radrennbahn wurde abgerissen, das Gelände eingeebnet, die Stehplatzränge aufgeschichtet und die Tribüne gebaut. 50 und mehr Mitglieder arbeiteten Tag für Tag, das Werk zu vollenden. Das war 1927, ein im langen Leben der Wormatia gutes Jahr. Dieser Zeit, die es wert ist, in Erinnerung zu bleiben, verdanken wir auch "Kabausche" Völkers Verse von der Wormatia, der Alten im Glorienschein.

Hans Stein, allzufrüh verstorben, hat sich damals unendlich viele Verdienste um den Stadionbau erworben. Wenn wir heute an dem angegrauten, aber dennoch ehrwürdigen Platz an der Alzeyer Straße vorbeiziehen oder drinnen wehmütigen Gedanken nachhängen, sollten wir uns mit berechtigtem Stolz daran erinnern, daß es Wormatia allein war, die dieses Stadion gebaut hat.

Aus der Festschrift von 1928

Das Stadion im Jahre 1929

Die Sicherung der Bezirksligameisterschaft (höchste Spielklasse) zwang uns, vom Schweißwerksportplatz nach der neuen Anlage an der Alzeyerstraße überzusiedeln. Nur ungern beugte sich der Vorstand dieser Notwendigkeit, weil das Spielfeld, abgesehen davon, das die Anlage sowieso nur in halbfertigem Zustand in Benutzung genommen werden konnte, unter dieser allzufrühen Inanspruchnahme erheblich leiden mußte. Natürlich blieben die vorausgeahnten Auswirkungen auf das Spielfeld nicht aus, es bedarf heute erneuter und intensivster Anstrengungen, um das Gelände wieder so in Schuß zu bringen, daß es als wenigstens annähernd ideal angesprochen werden kann. Zum großen Teil sind diese Mißstände aber auch die Folgen der langwierigen Verhandlungen mit der städtischen Behörde.

Heute liegt nun die Anlage wenigstens soweit fertig vor uns, daß sie ihrem Zwecke, unserer Aktivität Gelegenheit zu geben, sich so sportlich zu betätigen, daß die körperliche Betätigung auch die erhofften Früchte tragen darf, übergeben werden kann. Außer einem von einer tadellosen Barriere umschlossenen, 100 mal 70 Meter großen Spielfelde sind rings herum erhöhte Stehtribünen errichtet worden, eine massiv gebaute Tribüne bietet gut 800 Personen vorzügliche Sichtmöglichkeit und beherbergt in ihrem Inneren helle, luftige Umkleidekabinen, Badeeinrichtungen usw. Der Platz selbst ist nach der Alzeyerstraße hin mit einer geschmackvollen Mauer eingefriedigt. Durch ein wuchtig gehaltenes Eingangstor schreitet der Besucher an den sehr zweckmäßig errichteten Kassenhäuschen vorbei, während das Auge beim Betreten der Anlage auf das sich im Vordergrund des Spielfelds reckende Gedächtnismal für unsere Gefallenen fällt, das in seiner schlichten und dennoch wirksamen Gestaltung jeden der Vorübergehenden zu stillem Gedenken an die im Kampfe ums Vaterland gefallenen Vereinskameraden gemahnt. Unter Ausnutzung aller Steh- und Sitzplätze bietet der Platz in seiner derzeitigen Verfassung für 18.000 Besucher bequeme Sichtmöglichkeit. Die Vereinsleitung trägt sich mit dem Gedanken, das angrenzende jetzt noch von der  Reichsvermögensstelle benutzte Gelände hinzuzugewinnen , damit hier ein Trainingsfeld , das angesichts der ständig wachsenden Aktivität unbedingt erforderlich ist, entstehen kann. Von weitem schon grüßt den Spaziergänger bzw. den Besucher unserer Sportanlage das in herrlichem Rot prangende Dach unserer Tribüne, vorzüglich schmiegt sich die Anlage selbst dem Westendviertel der Stadt an und wird vor allen Dingen der Jugend, die doch das Hauptinteresse aller Sportvereine in Anspruch nimmt, einladend den Willkommensgruß entbieten.

Möge es dem Verein, der auf seine zum großen Teil aus eigenen Kräften geschaffenen Anlage berechtigt stolz sein darf vergönnt sein, diese Sportstätte für immer sein Eigen zu nennen, auf das sich unsere Jugend daselbst durch Sport und Spiel für den eisernen Kampf des Lebens zu stählen vermag und unserem Vaterlande so beherzte tüchtige Männer, auf deren Schultern es sicher ruhen kann, beschert werden.

Stadionumbau 1939

Die 1988 erbaute Tribüne mit der Steh-Vortribüne

Das Stadion im Jahre 2010