
Am 23. Februar 1936 gelang Josef Fath etwas, wofür ihn diverse Fußballer und selbst die erfolgreichsten Stürmer der damaligen Zeit überaus beneidet haben dürften: Im Länderspiel gegen Spanien in Barcelona setzte er der iberischen Torhüter-Legende Ricardo Zamora nicht nur einen Ball ins Netz, nein, der Wormser Linksaußen erzielte gleich beide Treffer zum 2:1-Sieg der Schützlinge von Reichstrainer Otto Nerz und sorgte dafür, dass der weltberühmte Keeper zwischen den spanischen Pfosten erstmals nach über einem Jahr wieder hinter sich greifen musste.
1911 in Worms geboren und bei Olympia Worms (heute Blau-Weiß) fußballerisch aufgewachsen, trat er 1934 zur Wormatia über. Schon nach wenigen Spielen in der Gauliga Südwest wurde die Fachwelt auf den außergewöhnlich schnellen, zielstrebigen und mit beidfüßig außergewöhnlicher Schusskraft gesegneten 1,60m großen Linksaußen mit den ausgeprägten O-Beinen aufmerksam. Zu seinen besonderen Spezialitäten gehörten Tore aus "unmöglichen Winkeln", wozu auch das direkte Verwandeln von Eckbällen zählte.
Berufungen in die Südwest- und Süddeutsche Auswahl waren erst der Anfang einer vielversprechenden Karriere. Schon bald folgten Einladungen durch Reichstrainer Dr. Otto Nerz und dessen Nachfolger Sepp Herberger zu Vorbereitungsspielen der Nationalmannschaft. Der "Seppl" oder "es Seppelche", wie ihn die Wormser Fußballanhänger nannten, wurde inzwischen zum Schrecken aller Abwehrreihen und gefährlichsten Linksaußen Deutschlands. Einige internationale Berufungen folgten und so steuerte er z.B. bei 5:2-Sieg gegen Dänemark gleich drei Treffer bei.
Leider wurde Fath, laut einer zeitgenössischen Quelle ein "braver, in sich gekehrter Junge", immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen, und insbesondere hartnäckige Knieprobleme verhinderten, dass seine internationale Laufbahn von einer seinem Können angemessene Einsatzstatistik begleitet wurde. Nachdem er bereits die Olympischen Spiele 1936 verpasst hatte, machte ihm zwei Jahre später zudem der "Anschluss" Österreichs einen Strich durch die WM-Rechnung, denn im Zuge der verordneten Zusammenstellung einer "großdeutschen" Mannschaft für das Turnier in Frankreich verlor er seinen im Grunde unumstrittenen Stammplatz auf Linksaußen.
Obgleich Fath seine Karriere 1940 wegen der beständig kaputten Knie eigentlich beendet hatte, ließ es sich "es Seppelche" nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nehmen, dann und wann doch wieder die Stiefel zu schnüren und für Wormatia in der Oberliga aufzulaufen. Ab 1949 war es dann aber endgültig genug, und Fath widmete sich ganz seiner Tätigkeit in der eigenen Lotto-Annahmestelle bzw. als Bezirksvertreter der regionalen Toto-Lotto-Gesellschaft.
Enthält Auszüge aus "Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs, Spielerlexikon 1890 - 1963" (Lorenz Knierim und Hardy Grüne, AGON-Sportverlag)
Statistik
| Datum | Spielort | Spielpaarung | Tore | ||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 09.09.1934 | Warschau | Polen - Deutschland | 2:5 | - |
| 2 | 07.10.1934 | Kopenhagen | Dänemark - Deutschland | 2:5 | 0:1, 1:2, 2:5 |
| 3 | 28.04.1935 | Brüssel | Belgien - Deutschland | 1:6 | 1:1, 1:5 |
| 4 | 08.05.1935 | Dortmund | Deutschland - Irland | 3:1 | - |
| 5 | 12.05.1935 | Köln | Deutschland - Spanien | 1:2 | - |
| 6 | 26.05.1935 | Dresden | Deutschland - Tschechoslowakei | 2:1 | - |
| 7 | 27.06.1935 | Oslo | Norwegen - Deutschland | 1:1 | - |
| 8 | 18.08.1935 | München | Deutschland - Finnland | 6:0 | - |
| 9 | 15.09.1935 | Breslau | Deutschland - Polen | 1:0 | - |
| 10 | 04.12.1935 | London | England - Deutschland | 3:0 | - |
| 11 | 23.02.1936 | Barcelona | Spanien - Deutschland | 1:2 | 0:1, 1:2 |
| 12 | 20.03.1938 | Nürnberg | Deutschland - Ungarn | 1:1 | - |
| 13 | 24.04.1938 | Frankfurt | Deutschland - Portugal | 1:1 | - |
