Die Meisterschale (ab 1949) und die Viktoria, ihre Vorgängerin

Seit 1903 wird der Deutsche Fußballmeister ausgespielt; bis zur Gründung der Bundesliga 1963 in einer Endrunde mit unterschiedlichem System.

Die Meisterschaftsendrunde wurde bis 1933 im K.O.-System ausgetragen. Der Sieger jeder K.-O.-Runde wurde in einem Spiel auf neutralem Platz ermittelt. Bei einem Unentschieden gab es Verlängerung, nach deren Ablauf aber kein evtl. benötigtes Elfmeterschießen. In diesem Fall wurde ein Wiederholungsspiel angesetzt (ebenfalls auf neutralem Boden). Teilnahmeberechtigt waren bis 1905 die Meister der dem DFB angeschlossenen lokalen und regionalen Fußballverbände. Bei der ersten Meisterschaft nahmen sechs Mannschaften teil, ein Jahr später acht und 1905 elf.

1906 beschloss der DFB die Teilnehmerzahl auf acht Mannschaften festzulegen. Das Reichsgebiet wurde in sieben Regionen eingeteilt, in denen ab der Saison 1906/1907 jeweils eigene Regionalmeister- schaften ausgetragen wurde. Deren Regionalmeister sowie der amtierende Deutsche Meister waren teilnahmeberechtigt.

Eine Änderung gab es erst im Jahre 1925, als die Zahl der Endrundenteilnehmer auf 16 Mannschaften erhöht wurde. Die jeweiligen Regionalverbände durften jetzt zwei, Süd- und Westdeutschland sogar drei Mannschaften zur Endrunde schicken. Dafür war der Titelverteidiger jetzt nicht mehr automatisch teilnahmeberechtigt.

Da Wormatia in der Süddeutschen Meisterschaft auf keinen grünen Zweig kam, konnte sie sich innerhalb dieses Modus' nie für die Deutsche Meisterschaft qualifizieren.

1933 - 1944

Szene aus dem Heimspiel gegen Schalke 04 (1939 im Frankfurter Waldstadion)

Die Regionalverbände wurden aufgelöst, an ihre Stelle traten 16 Fußballgaue, in denen als höchste Spielklasse so genannte Gauligen eingerichtet wurden. Eine Endrunde um die Regionalmeisterschaft wurde nicht mehr gespielt, nun waren die 16 jeweiligen Gaumeister für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft teilnahmeberechtigt.

Der Austragungsmodus wurde dementsprechend geändert. Die 16 Teams spielten zunächst in vier Vorrundengruppen in Hin- und Rückspielen die jeweiligen Gruppensieger aus, die dann im K.O.-System den deutschen Meister ermittelten.

Gegen Ende des 2. Weltkrieges verzichtete man aufgrund der kriegsbedingt gestiegenen Anzahl der Gaue (knapp 30) auf die Gruppenphase und kehrte wieder zum reinen Pokalmodus zurück.

Für Wormatia begann durch die Reform ihre glorreichste Zeit. Als Meister der Gauliga Südwest konnte man sich drei mal für Deutsche Meisterschaft qualifizieren und gehörte damit zu den erfolgreichsten Vereinen Deutschlands. 1936 hatte man gegen den späteren Meister 1. FC Nürnberg keine Chance und ein Jahr später fehlte nur ein Tor um ins Halbfinale zu gelangen. 1939 war man zwar wieder chancenlos, konnte allerdings in Dortmund sensationell den späteren Deutschen Meister Schalke 04 mit 2:1 niederringen. Noch heute wird dies als der größte Sieg der Vereinsgeschichte bezeichnet.

1945 - 1950

In der Nachkriegszeit wurden (Besatzungs-) Zonenmeisterschaften ausgetragen. An der ersten deutschen Nachkriegsmeisterschaft 1947/1948 nahmen acht Mannschaften teil, die Vertreter der jeweiligen Besatzungszonen. Die westlichen Besatzungszonen stellten jeweils zwei und Berlin einen Vertreter, dem sowjetischen wurde später die Teilnahme verboten.

Die französische Zone bestand aus den beiden Oberligen Südwest Gruppe Nord und Gruppe Süd. In der Saison 46/47, der ersten nach dem Krieg, spielte Wormatia zusammen mit sieben anderen Mannschaften in der Gruppe Nord, wo man Vizemeister hinter dem übermächtigen 1. FC Kaiserslautern wurde (auf dem Betze setzte es eine 0:10-Klatsche). Dem nutzte der Meistertitel aber auch nicht viel, denn eine Deutsche Meisterschaft gab es erst ab der nächsten Saison. In eben jener Saison 47/48 landete Wormatia aber bei nun 14 Mannschaften nur auf Platz 5. Allerdings wurde den auf den Plätzen zwei und vier stehenden saarländischen Vereinen Saarbrücken und Neunkirchen die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft verweigert. Wormatia war somit praktisch gesehen Dritter, schrammte aber dennoch um acht Punkte am Zweiten Platz vorbei.

Ein Jahr später war Wormatia nach zehn Jahren wieder bei der "Deutschen" vertreten. Zuvor gab es aber noch diverse Qualifikationsspiele. Die französiche Zone durfte zwei Vertreter schicken - die offensichtlichste Lösung wären die Meister der Gruppen Nord und Süd gewesen, doch man entschied sich anders: Die beiden Meister (1. FC Kaiserslautern und Fortuna Freiburg) spielten um die Zonenmeisterschaft, die beiden Vizemeister (Wormatia und SV Tübingen) ein Ausscheidungsspiel. Wormatia hatte mit Tübingen keine Probleme (3:0 und 5:0), ebensowenig der FCK mit Freiburg (4:0 und 6:3). Der zweite Teilnehmer wurde in einem weiteren Ausscheidungsspiel ermittelt, in dem Wormatia auf Fortuna Freiburg traf und auch hier keine Probleme hatte (3:0).
Die Endrunde begann gleich mit dem Viertelfinale, wo Wormatia in Kaiserslautern auf Kickers Offenbach traf. Zur Halbzeit stand es 1:0 doch Offenbach drehte das Spiel in Halbzeit zwei. Ernst Vogt erzielte in der Nachspielzeit den 2:2-Ausgleich und rettete den VfR damit in ein Wiederholungsspiel, welches eine Woche später in Karlsruhe mit 0:2 verloren ging.

In der Saison 49/50 scheiterte Wormatia als Vizemeister in der Zonenqualifikation. Dabei war man eigentlich stärker als im Vorjahr, sogar auf dem Betze konnte man gewinnen und zuhause reichte es zu einem 1:1. Wieder traf man im Ausscheidungsspiel auf Vizemeister Süd SV Tübingen, der wiederum keine Chance hatte (6:0). Beim Spiel um die Zonenmeisterschaft hatte der SSV Reutlingen das Nachsehen gegen den FCK und gegen eben jenen Gegner verlor Wormatia in einem packenden Spiel mit 3:4 nach Verlängerung.
Doch es gab noch einen Strohhalm: Die Endrunde hatte mittlerweile 16 Teilnehmer und die französische Zone stellte diesmal drei davon. So traf Wormatia auf den Sieger des Ausscheidungsspiels der Drittplatzierten TuS Neuendorf. Dieser hatte sich gegen den Viertplatzierten Freiburger FC durchgesetzt weil der eigentliche Dritte FC Singen verzichtete - und war der einzige Gegner außer dem FK Pirmasens der Wormatia diese Saison schon besiegen konnte. Und so kam es wieder: Neuendorf ging nach 5 Minuten in Führung und Wormatia rannte 85 Minuten vergeblich dem Rückstand hinterher...

1950 - 1963

Szene aus dem Auftaktspiel gegen Kickers Offenbach (1955)

Bis zur Gründung der Bundesliga 1963 waren die Oberligen (6 zu Beginn, 5 ab 1950) die höchste Deutsche Spielklasse. Bis 1950 wurde der deutsche Meister am Ende der Saison zwischen deren qualifizierten Vereinen im Pokalmodus ermittelt.

Ab 1951 wurde eine Vorrunde mit zwei Vierergruppen in Hin- und Rückspiel ausgetragen. Die Gruppensieger bestritten dann das Finale um die deutsche Meisterschaft. Für die Vorrunde qualifiziert waren die 5 Oberliga-Meister. Die übrigen 3 Startplätze wurden zwischen den 4 Vizemeistern (ohne den 2. aus Berlin) in Qualifikationsspielen ermittelt.

1955 konnte sich Wormatia als Südwest-Vizemeister zum letzten Mal für die Deutsche Meisterschaft qualifizieren. Nach drei nervenaufreibenden, aber letztlich erfolgreichen Qualifikationsspielen ging man als krasser Außenseiter ins Turnier. Die Gruppenphase begann mit einem Paukenschlag - 1:0-Sieg gegen Offenbach. Doch leider blieb es bei diesem einen Sieg. Ein 1:1 beim späteren Meister Rot-Weiß Essen ließ noch mal aufhorchen, doch es reichte nicht.

Kurz vor Einführung der Bundesliga 1963 ging der Wormser Traum, sich noch einmal für die "Deutsche" zu qualifizieren, endgültig zu Ende. Punktgleich mit dem Vizemeister Borussia Neunkirchen in der Oberliga Südwest musste man diesem den Vortritt lassen.